Es ist verzwickt. In vielen Fällen muss man sich zwischen Leistung und einem angenehmen, ruhigen Arbeiten entscheiden. Die richtig guten Grafikkarten gibt es meistens nur mit riesigen Kühl- und Lüfteranlagen, sodass die Lüftergeräusche beim „normalen“ Arbeiten recht unangenehm werden können. Da die Hybridtechnologie auch noch nicht auf ihrem Leistungshoch ist, muss man sich vorerst selbst helfen.
In diesem Artikel baue ich eine ATI Radeon 4850 um, die ich schon seit längerer Zeit besitze. Dennoch bringt sie noch jede Menge Performance und bietet heutzutage ein super Preis-Leistungs-Verhältnis.
Nun aber zum praktischen Teil:

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Der Originalkühler der ATI Radeon 4850

Der alte Kühler inklusive Lüfter ist schnell abmontiert. Auf der Rückseite, also dort wo nicht der Lüfter sitzt, befinden sich 12 Schrauben. Es müssen alle 12 gelöst werden, damit sich der Kühler abnehmen lässt.

Als Ersatzkühler kommt nun der Accelero S1 Rev.2 der Firma Arctic Cooling zum Einsatz.
Da ich diesen Kühler auch schon seit einiger Zeit bei mir hatte, die Packung jedoch geöffnet war, sind sowohl Wärmeleitpaste und Kleber für die Speicherkühlung leicht ausgetrocknet. Aber kein Problem, so kann ich hier auch gleich zeigen, wie man diese beiden Probleme spielend in den Griff bekommt.

Zunächst muss der alte Klebstoff, eine Art doppelseitiges Klebeband, von den Kühlern für den Arbeitsspeicher entfernt werden. Kleine „Fingerspitzenarbeit“. 😉

Kühlkörper für den Arbeitsspeicher

Ebenso werden die Reste der Wärmeleitpaste vom Prozessor mit einem weichen, kratzfreiem Tuch entfernt. Die Paste sollte sich ohne große Mühen entfernen lassen. Passt dabei auf, dass ihr keine Kratzer auf dem Prozessor oder dem Board selber macht.

Grafikprozessor der ATI Radeon 4850

Nun geht es an den Arbeitsspeicher, der auch gekühlt werden möchte. Auch hier muss drauf geachtet werden, dass er frei von Restkleber, staub und fett ist, sonst haften die neuen Kühler nicht. Sollte der Speicher nicht mit einem normalen Tuch gereinigt werden können, kann man den Speicher entweder mit Hilfe eines Föhnes leicht erwärmen (Erwärmen! Nicht erhitzen!!!), oder man greift auf spezielle Reinigungsmittel aus dem Fachhandel zurück. Ich habe alles ohne Hilfsmittel sauber bekommen.

Um die Kühler zu befestigen, empfehle ich einen Methylmethacrylatklebstoff, der aus zwei Teilen besteht. Zum einen ist es der Methacrylsäuremethylester, einem C5H8O2-Verbund, der durch Zugabe des zweiten Teils, einem Peroxid, also H2O2 in eine radikale Kettenreaktion versetzt wird und so polymerisiert, also die Moleküle miteinander verbindet und somit aushärtet. Einen solchen Kleber gibt es z.B. von Zalman (Adhesive A + Adhesive B, ca. 5,- €).
Der Vorgang des Aushärtens dauert bei Zimmertemperatur (20°C) ca. 15 Minuten. Anschließend hält der Klebstoff auch bei starker Erhitzung.

Methylmethacrylatklebstoff

Die zwei Klebstoffkomponenten werden auf den Arbeitsspeicher aufgebracht und die Kühler unverzüglich leicht aufgedrückt.

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Der Klebstoff wird auf dem Arbeitsspeicher aufgebracht

In der Zwischenzeit kann sich um die Kontaktfläche der Heatpipes gekümmert werden. Auch diese müssen wie immer rückstandslos gereinigt werden. Anschließend kann hier hauchdünn eine Wärmeleitpaste aufgebracht werden, die die Verbindung zwischen Prozessor und Kühler herstellt. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Silikonanteil relativ gering ist, da die Wärmeleitfähigkeit hierduch erheblich beeinträchtigt wird. Es sollte mehr darauf geachtet werden, dass Stoffe wie Kupfer oder Silber enthalten sind, da sie eine wesentlich höhere Wärmeleitfähigkeit besitzen.

Wärmeleitpaste

Aufbringung der Wärmeleitpaste

Nun ist der Kühler soweit vorbereitet. Ist der Kleber auf dem Arbeitsspeicher auch ausgehärtet, kann der neue Kühler mit Hilfe der vier Schrauben rund um den Prozessor festgeschraubt werden. Um den massiven Kühlkörper zusätzlich zu stabilisieren, werden zwei Plastikträger mitgeliefert, die den Abstand zwischen Kühler und Grafikkarte halten. Nun nur noch die Grafikkarte einbauen und den ruhigen Spielspaß genießen.

Accelero S1 Rev.2

ATI Radeon 4850 mit Accelero S1 Rev.2 Passiv-Kühler